Die von Traunsteiner Entscheidungsträgern nicht verstandene Bedeutung des Integrierten Städtebaulichen EntwicklungsKonzepts (ISEK) – Von Rüdiger Funk

Ein Meinungsbild von Rüdiger Funk
Auf der offiziellen Homepage der Landesgartenschau 2022 ist folgender Absatz zu lesen:
„Die Stadt Traunstein steht – wie alle Kommunen – vor stetig wachsenden Herausforderungen. Für die Bewältigung der vielen Aufgaben stehen ihr aber nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Für eine nachhaltige Stadtentwicklung ist es deshalb ausschlaggebend, zielgerichtet und lösungsorientiert zu handeln sowie inhaltliche und zeitliche Prioritäten zu setzen. Basis hierfür ist eine ganzheitliche Betrachtung unter Beteiligung der Öffentlichkeit, wie sie durch ein Integriertes Städtebauliches EntwicklungsKonzept (ISEK) erfolgt. Das ISEK ist auch ein wichtiger Baustein für die Planung und Realisierung der Landesgartenschau 2022 in Traunstein.“
Man kann sich nur wundern über soviel strategischen Unsinn.
Das Ganze wird dann auch noch verstärkt durch eine Aussage des OB Kegel auf einer Bürgerversammlung, der die LGS als „Impulsprojekt für ISEK“ darstellt. Wie kommt ein Stadtoberhaupt dazu zu glauben, dass die Bürger so blöd sind, den dahinter steckenden grundlegenden Denkfehler nicht zu bemerken???
Also: ein städtebauliches Entwicklungskonzept, das diesen Namen verdient sollte
grundsätzlich alle Richtungen der städtebaulichen Entwicklung einer Kommune in den nächsten Jahren ausloten;
ergebnisoffen entwickelt und sukzessive realisiert werden;
die Bürger aktiv und intensiv beteiligen;
am Ende ganzheitliche Entwicklungsvorschläge erzielen, die mit mehreren Lösungsalternativen dargestellt werden unter Abwägung der finanziellen Möglichkeiten der Kommune und der möglichen zu gewinnenden Fördermittel.
Wie die Stadt selbst schreibt:  Wir stehen  „vor stetig wachsenden Herausforderungen. Für die Bewältigung der vielen Aufgaben stehen ihr aber nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung.“
Und was macht sie?
Sie degradiert die ISEK zu einem Wurmfortsatz der Landesgartenschau. 
Wie kann die ISEK „ein wichtiger Baustein für die Planung und Realisierung der Landesgartenschau 2022 in Traunstein“ sein?
Die ISEK ist ein Witz, wenn die LGS mit Investitionskosten von 16,5 Millionen Euro schon beschlossene Sache ist, von denen maximal 3,7 Millionen gefördert werden – und das auch noch eng zweckgebunden an das Konzept der LGS.
Kann jemand von den Entscheidungsträgern, der das große Einmaleins beherrscht, einmal erklären, wo z.B. das Geld für eine ganzheitliche Verkehrsplanung inklusive der Berücksichtigung von Fahrradfahrern im gesamten Stadtgebiet (!!) herkommen soll, wenn bei ohnehin schon steigender Schuldenlast bis 2019 und einem nicht absehbaren Belastungssaldo der LGS???
Jeder einigermaßen klar denkende Unternehmer würde eine ISEK durchführen und am Ende prüfen, ob eine LGS ein angemessener Erfüllungsweg für entwicklungsnotwendige und wichtige Initiativen ist. Dabei würde er auch prüfen, ob die Förderung für eine LGS gegenüber Förderungen von Großprojekten, die sich aus der ISEK ergeben, effizienter oder weniger wirkungsvoll ist.
Zu meinem Leidwesen scheint dieser unternehmerische Sachverstand bei den politischen Mandatsträgern, die unbedingt eine LGS wollen, vollständig zu fehlen. 
Dafür scheint er mit Blick auf die eigene Tasche bei verschiedenen Unternehmern in Traunstein sehr schräg und einseitig und keineswegs im Sinne und zum Wohle der Stadt ausgeprägt zu sein.